KURZDEFINITION
Das globale LEI-System ist ein internationales Rahmenwerk zur eindeutigen Identifizierung von Rechtsträgern und steht unter der Aufsicht der Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF). Es weist an Finanztransaktionen weltweit beteiligten Rechtsträgern eindeutige 20-stellige alphanumerische Codes zu, die als LEI (Legal Entity Identifier) bezeichnet werden. Ein LEI macht eindeutig kenntlich, welcher Rechtsträger an einer Finanztransaktion beteiligt ist – ähnlich wie ein Reisepass eine natürliche Person eindeutig identifiziert. Für Rechtsträger ist ein LEI im Rahmen wichtiger Finanzmarktregulierungen in Europa und weltweit vorgeschrieben.

 

Der LEI (Legal Entity Identifier, Rechtsträgerkennung) gehört zu den zentralen Standards der modernen Finanzmarktregulierung. Als regulatorische Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 entstanden, hat sich der LEI zu einem globalen System entwickelt, das mehr als 2,6 Millionen aktive Rechtsträger in über 90 Ländern erfasst. Wenn Ihr Unternehmen an Finanzmärkten tätig ist, mit Finanzinstrumenten handelt oder gegenüber einer Finanzaufsichtsbehörde meldepflichtig ist, ist das globale LEI-System für Sie aller Wahrscheinlichkeit nach relevant.


Wichtige Fakten auf einen Blick

Merkmal Details


Was ist ein LEI?







Ein eindeutiger 20-stelliger alphanumerischer Code zur Identifizierung eines Rechtsträgers bei Finanztransaktionen







Standard







ISO 17442






Aufsichtsorgan







Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF), mit Sitz in Basel, Schweiz







Regulatorische Aufsicht







Regulatory Oversight Committee (ROC) mit mehr als 70 internationalen Aufsichtsbehörden

Aktive LEIs weltweit





Mehr als 2,6 Millionen (Stand 2025)

Abgedeckte Jurisdiktionen





Mehr als 90 vom ROC anerkannte Länder

Wer vergibt LEIs?

Von GLEIF akkreditierte Local Operating Units (LOUs), darunter Euronext Dublin

Erneuerungszyklus

Jährlich. LEIs müssen alle 12 Monate erneuert werden

Datenverfügbarkeit

Vollständig öffentlich. Alle LEI-Daten können kostenlos über search.gleif.org abgerufen werden

Ursprung

G20-Mandat (2012) infolge der globalen Finanzkrise von 2008

Geschichte des globalen LEI-Systems

The LEI system did not emerge from a single regulatory decision — it was the product of years of international coordination following a global crisis.

2008 — Finanzkrise: Der Zusammenbruch von Lehman Brothers und die anschließende Finanzkrise machten ein grundlegendes Problem deutlich: Aufsichtsbehörden und Marktteilnehmer verfügten über keine einheitliche Möglichkeit festzustellen, wer wem welche Verpflichtungen gegenüber hatte. Rechtsträger wurden in verschiedenen Ländern von unterschiedlichen Institutionen anhand unterschiedlicher Kennungen identifiziert. Die Folge war ein erhebliches Maß an Intransparenz – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Transparenz besonders wichtig war.

2012 — G20 Mandat: Auf Empfehlung des Financial Stability Board (FSB) erteilte die G20 den Auftrag, ein globales System zur eindeutigen Identifizierung von Rechtsträgern bei Finanztransaktionen zu schaffen. Zur übergeordneten Steuerung des Systems wurde das Regulatory Oversight Committee (ROC) eingerichtet.

2014 — Gründung von GLEIF: Die Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF) wurde in Basel, Schweiz, als globale Betreiberorganisation des LEI-Systems gegründet. GLEIF begann mit der Akkreditierung von Local Operating Units (LOUs), die LEIs vergeben.

2017 — MiFID II: Die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente II trat in der gesamten EU in Kraft und machte den LEI für bestimmte Rechtsträger im Zusammenhang mit regulierten Finanztransaktionen verpflichtend. Damit wurde das Grundprinzip „Kein LEI, kein Handel“ etabliert.

2019–2024 — Ausweitung: Die Anforderungen an LEIs wurden durch SFTR, DORA und verschiedene Regulierungsrahmen außerhalb Europas ausgeweitet. GLEIF führte außerdem den vLEI (verifiable LEI) als kryptografisch abgesicherte digitale Erweiterung des LEI-Systems ein.

Ab 2025 — GLEIF 2.0: Das LEI-System wird mit dem vLEI-Ökosystem weiterentwickelt. Dabei werden traditionelle LEI-Daten mit digitaler Identitätsinfrastruktur verbunden, um automatisiertes Vertrauen in Finanz- und Unternehmenstransaktionen zu ermöglichen.

Die Hauptkomponenten des globalen LEI-Systems

Das globale LEI-System basiert auf drei ineinandergreifenden Komponenten:

1. Das Regulatory Oversight Committee (ROC)

Das ROC ist ein freiwilliger Zusammenschluss von mehr als 70 Aufsichtsbehörden, darunter Zentralbanken, Wertpapieraufsichtsbehörden und Ministerien aus aller Welt. Es übernimmt die übergeordnete Governance des LEI-Systems und stellt sicher, dass das System dem öffentlichen Interesse sowie den regulatorischen Anforderungen der teilnehmenden Jurisdiktionen entspricht.

2. Die Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF)

GLEIF ist die operative Organisation des globalen LEI-Systems. Sie verwaltet die globale LEI-Datenbank, legt Standards für die Datenqualität fest, akkreditiert und überwacht LOUs und veröffentlicht sämtliche LEI-Daten als frei zugängliche offene Daten. GLEIF ist die zentrale Referenz für die Qualität der LEI-Daten und das zentrale Verzeichnis aller weltweit vergebenen LEI-Datensätze.

3. Local Operating Units (LOUs)

LOUs sind die Organisationen, die direkt mit Rechtsträgern zusammenarbeiten, die einen LEI beantragen. Jede LOU ist von GLEIF akkreditiert und unterliegt strengen Anforderungen an die Datenqualität.

Euronext Dublin, das über das Euronext-Direct-Portal operiert, ist eine von GLEIF akkreditierte LOU und bietet Dienstleistungen für Rechtsträger in mehr als 90 Jurisdiktionen an.

Zu den Aufgaben der LOUs gehören die Validierung der Antragsdaten, die Vergabe von LEIs, die Bearbeitung von Erneuerungen und Aktualisierungen sowie die Abwicklung von Übertragungen.



Wo wird das globale LEI-System eingesetzt?

Der LEI ist in einer Vielzahl von regulatorischen und kommerziellen Zusammenhängen verankert, und sein Einsatz nimmt stetig zu. Nachfolgend finden Sie die Gründe, warum der LEI unverzichtbar ist:

  • Meldung von Finanztransaktionen: 
    gemäß MiFID II, EMIR und SFTR, unter anderem für Derivate, Wertpapiere und Wertpapierfinanzierungsgeschäfte
  • Handelsausführung: 
    Das Prinzip „Kein LEI, kein Handel“ gilt unter MiFID II für bestimmte Gegenparteien
  • KYC und AML: 
    zur Identifizierung und Überprüfung von Rechtsträgern im Rahmen der Kundenaufnahme
  • Digitale operationelle Resilienz: 
    unter DORA, unter anderem für Register von IKT-Drittdienstleistern
  • Nachhaltige Finanzen: 
    zur Identifizierung von Rechtsträgern in SFDR- und CSRD-Offenlegungen
  • MMVO-Compliance: 
    für Insiderlisten und Transaktionsmeldungen von Führungskräften
  • Öffentliches Beschaffungswesen: 
    zur Identifizierung von Rechtsträgern bei öffentlichen Aufträgen
  • Grenzüberschreitende M&A- und Unternehmenstransaktionen: 
    zur eindeutigen Identifizierung von Rechtsträgern in der Transaktionsdokumentation

So erhalten Sie einen LEI über Euronext Direct

Euronext Direct ist die von GLEIF akkreditierte Plattform von Euronext Dublin für die Vergabe von LEIs. Die Beantragung eines LEI erfolgt unkompliziert online:

  1. Erstellen Sie ein Konto auf direct.euronext.com
  2. Geben Sie die Daten Ihres Rechtsträgers ein, darunter den offiziellen Namen, die eingetragene Anschrift, die Jurisdiktion und die Handelsregisternummer
  3. Laden Sie die erforderlichen Nachweise hoch, beispielsweise einen aktuellen Handelsregisterauszug
  4. Schließen Sie die Online-Zahlung für Ihren LEI-Antrag sicher ab
  5. Ihr LEI wird vergeben, in der Regel innerhalb eines Werktags, und anschließend im GLEIF Global LEI Index veröffentlicht

Unternehmen, die mehrere LEIs verwalten, können die Sammelverarbeitung von Euronext Direct nutzen und erhalten bei 10 oder mehr Neuregistrierungen einen Rabatt von 33 %. LEI-Übertragungen von anderen LOUs werden kostenlos akzeptiert.

Beantragen Sie Ihren LEI über Euronext Direct

GLEIF-akkreditiert, schnell und weltweit anerkannt.

 

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Weiterführende Literatur

Häufig gestellte Fragen

Ist das LEI-System global oder nur europäisch?

Das LEI-System ist global. Obwohl die regulatorische Einführung zunächst insbesondere in Europa vorangetrieben wurde – unter anderem durch MiFID II, EMIR und SFTR –, umfasst das System inzwischen mehr als 90 Jurisdiktionen weltweit. Auch große Märkte in Asien, Amerika und Ozeanien sehen den Einsatz von LEIs in ihren regulatorischen Rahmenwerken vor.

Wer reguliert das LEI-System?

Die internationale Aufsicht über das LEI-System liegt beim Regulatory Oversight Committee (ROC), einem freiwilligen Zusammenschluss von mehr als 70 Aufsichtsbehörden weltweit. GLEIF übernimmt die operative Verantwortung für das System und steht unter der Aufsicht des ROC.

Sind LEI-Daten öffentlich zugänglich?

Ja. Alle LEI-Referenzdaten, einschließlich Namen, Adressen, Angaben zu Muttergesellschaften und LEI-Status, können kostenlos über den GLEIF Global LEI Index unter search.gleif.org abgerufen werden. Die öffentliche Zugänglichkeit der Daten ist ein grundlegendes Prinzip des LEI-Systems.

Kann ich den LEI eines Unternehmens online suchen?

Ja. Sie können den LEI eines Rechtsträgers kostenlos unter search.gleif.org suchen, seinen Status überprüfen und den vollständigen Referenzdatensatz einschließlich Angaben zu Muttergesellschaften einsehen.

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