KURZANTWORT
Das globale LEI-System ist ein internationales Rahmenwerk zur eindeutigen Identifizierung von Rechtsträgern und steht unter der Aufsicht der Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF). Rechtsträger, die weltweit an Finanztransaktionen beteiligt sind, erhalten einen eindeutigen 20-stelligen Code, den Legal Entity Identifier (LEI). LEIs werden von akkreditierten Local Operating Units (LOUs) vergeben, jährlich erneuert und in einer öffentlich zugänglichen globalen Datenbank erfasst. Das System ermöglicht es Aufsichtsbehörden, Gegenparteien und Marktinfrastrukturen, Rechtsträger weltweit und über verschiedene Finanztransaktionen hinweg eindeutig zu identifizieren.

 

Das LEI-System (Legal Entity Identifier, Rechtsträgerkennung) gehört zu den wichtigsten Infrastrukturen der modernen Finanzmarktregulierung. Es entstand als regulatorische Reaktion auf die globale Finanzkrise von 2008. Dennoch ist für viele Compliance-Verantwortliche und Unternehmensabteilungen nicht unmittelbar ersichtlich, wie das System im Einzelnen funktioniert: Wer beaufsichtigt es? Wie werden LEIs vergeben? Welche Informationen enthält ein LEI tatsächlich? Und was bedeutet die Verwaltung eines LEI für ein Unternehmen in der Praxis?
Dieser Leitfaden beantwortet diese Fragen und gibt Compliance-Verantwortlichen, Operations-Managern und Unternehmenssekretären einen umfassenden und verständlichen Überblick über die Funktionsweise des globalen LEI-Systems.


Zweck des LEI-Systems

Vor der Einführung des LEI gab es keine einheitliche, weltweit anerkannte Möglichkeit, einen Rechtsträger über verschiedene Jurisdiktionen, Regulierungssysteme und Finanzinstitute hinweg eindeutig zu identifizieren. Banken verwendeten eigene Kennungen, während Aufsichtsbehörden in verschiedenen Ländern unterschiedliche nationale Codes nutzten. Die Finanzkrise von 2008 machte die Folgen dieser Fragmentierung besonders deutlich: Risikoexpositionen ließen sich nur schwer eindeutig zuordnen, Eigentumsstrukturen waren nicht durchgängig nachvollziehbar und systemische Risiken im globalen Finanzsystem konnten nur eingeschränkt quantifiziert werden.

 Das Financial Stability Board (FSB) identifizierte das Fehlen einer universellen Rechtsträgerkennung als kritische Lücke. 2012 beauftragte die G20 die Schaffung eines globalen LEI-Systems. Das Ziel war klar: Jeder an den Finanzmärkten beteiligte Rechtsträger sollte eine eindeutige und weltweit nutzbare Kennung erhalten. Ähnlich wie eine Passnummer eine natürliche Person eindeutig identifiziert, sollte der LEI eine verlässliche Zuordnung von Finanztransaktionen zu den beteiligten Rechtsträgern ermöglichen.


Heute erfüllt das LEI-System drei zentrale Funktionen: Identifizierung, indem es eindeutig festhält, wer an einer Finanztransaktion beteiligt ist; Transparenz, indem es Aufsichtsbehörden, Forschern und Marktteilnehmern ermöglicht, Eigentumsstrukturen und Unternehmensbeziehungen nachzuvollziehen; und Vernetzung, indem es einen gemeinsamen Referenzpunkt schafft, der Daten aus unterschiedlichen Meldesystemen, von Aufsichtsbehörden und aus verschiedenen Jurisdiktionen miteinander verbindet.

Aufbau des LEI-Systems

Das globale LEI-System arbeitet mit einer dreistufigen Governance- und Betriebsstruktur:

Level Body


Role
Ebene 1 — Governance




Regulatory Oversight Committee (ROC)




Globales Gremium aus mehr als 70 Aufsichtsbehörden, darunter Zentralbanken, Finanzaufsichtsbehörden und Ministerien. Das ROC beaufsichtigt die Governance und den regulatorischen Rahmen des LEI-Systems und bestätigt GLEIF als Betreiberorganisation des Systems.


Ebene 2 — Operations




Global Legal Entity Identifier Foundation (GLEIF)




Gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Basel, Schweiz. GLEIF verwaltet die globale LEI-Datenbank, akkreditiert LOUs, legt Standards für die Datenqualität fest und veröffentlicht den vollständigen LEI-Datensatz als offene Daten.


Ebene 3 — Issuance




Local Operating Units (LOUs)




Von GLEIF akkreditierte Organisationen, die LEIs direkt vergeben, erneuern und verwalten. Euronext Dublin ist eine von GLEIF akkreditierte LOU und vergibt über Euronext Direct LEIs an Rechtsträger in mehr als 90 Jurisdiktionen.


 

Was enthält ein LEI-Code?

Jeder LEI ist ein 20-stelliger alphanumerischer Code gemäß ISO 17442. Er lässt sich in drei Segmente unterteilen:

Segment Beschreibung

Zeichen 1–4 (LOU-Präfix)




Identifizieren die Local Operating Unit, die den LEI vergeben hat. Jede LOU verfügt über ein eindeutiges vierstelliges Präfix, das von GLEIF zugewiesen wird.




Zeichen 5–18 (rechtsträgerspezifisch)




Eindeutige alphanumerische Zeichenfolge zur Identifizierung des jeweiligen Rechtsträgers. Dieser Teil wird von der ausstellenden LOU generiert und ist innerhalb des globalen Systems eindeutig.




Zeichen 19–20 (Prüfziffern)




Zwei numerische Prüfziffern, die nach dem ISO-7064-Mod-97-10-Algorithmus berechnet werden und zur Überprüfung der Integrität des vollständigen LEI dienen.




Neben dem 20-stelligen Code enthält jeder LEI einen Datensatz mit den sogenannten LEI-Referenzdaten. Dazu gehören unter anderem:

  • der offizielle Name;
  • die Rechts- und Hauptsitzadresse;
  •  das Land und die Jurisdiktion der Registrierung;
  • die Handelsregisternummer;
  • der Status (aktiv, inaktiv oder ausstehend);
  • das Datum der Erstausstellung und der letzten Erneuerung;
  • Angaben zur direkten und letztlichen Muttergesellschaft.

Die Angaben zur Muttergesellschaft – also dazu, wer zu welcher Unternehmensgruppe gehört – machen den LEI zu mehr als einer reinen Kennung. Sie ermöglichen es, Unternehmensstrukturen und damit verbundene Risiken an den globalen Finanzmärkten besser abzubilden.

Der LEI-Lebenszyklus: Von der Beantragung bis zur jährlichen Erneuerung

 

Schritt 1: Antragstellung

Ein Rechtsträger beantragt einen LEI über eine von GLEIF akkreditierte LOU, beispielsweise über Euronext Direct. Für den Antrag werden unter anderem der offizielle Name, die eingetragene Adresse, die Gründungsjurisdiktion und die Handelsregisternummer benötigt. Zur Validierung können Nachweisdokumente, beispielsweise ein Handelsregisterauszug, angefordert werden.

Schritt 2: Validierung und Vergabe

Die LOU überprüft die eingereichten Angaben anhand maßgeblicher öffentlicher Quellen, darunter nationale Handelsregister und GLEIF-Referenzdaten. Nach erfolgreicher Validierung wird der LEI vergeben, der entsprechende Referenzdatensatz erstellt und der LEI im GLEIF Global LEI Index veröffentlicht. Die Vergabe erfolgt in der Regel innerhalb eines Werktags.

Schritt 3: Aktiver LEI

Nach der Vergabe ist der LEI aktiv und öffentlich abrufbar. Der Rechtsträger kann ihn unmittelbar für regulatorische Meldungen, Handelsdokumente und Prozesse zur Kundenaufnahme verwenden. Der LEI bleibt ab dem Vergabedatum zwölf Monate lang aktiv.

Schritt 4: Jährliche Erneuerung

LEIs müssen alle zwölf Monate erneuert werden. Dabei wird bestätigt, dass die zugehörigen LEI-Referenzdaten weiterhin korrekt und aktuell sind. Euronext Direct versendet vor dem Ablauf automatisch Erinnerungen und bearbeitet Erneuerungen innerhalb von 24 Stunden.

Wird ein LEI nicht rechtzeitig erneuert, erhält er den Status „verfallen“. Damit steht der LEI für regulatorische Zwecke faktisch nicht mehr als gültige Kennung zur Verfügung.

Schritt 5: Aktualisierungen und Korrekturen

Änderungen an den Referenzdaten eines Rechtsträgers – beispielsweise Namens- oder Adressänderungen, Fusionen, Übernahmen oder Änderungen der Muttergesellschaftsbeziehungen – müssen im LEI-Datensatz aktualisiert werden. Über Euronext Direct können Rechtsträger solche Aktualisierungen kostenlos über das Portal einreichen.

Schritt 6: Übertragung (Portierung) zwischen LOUs

Ein bestehender LEI kann jederzeit von einer LOU zu einer anderen übertragen werden. Dies kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn ein Unternehmen sein LEI-Management bei einem einzigen Anbieter bündeln oder von anderen Konditionen profitieren möchte. Bei einer Übertragung bleibt der LEI-Code unverändert. Euronext Direct akzeptiert Übertragungen von jeder von GLEIF akkreditierten LOU kostenlos und ohne Unterbrechung des aktiven LEI-Status.

Wer benötigt einen LEI?

 

Kategorie des Rechtsträgers

Regulatorischer Treiber




Banken und Kreditinstitute MiFID II, EMIR, SFTR, DORA
Wertpapierfirmen und Broker-Dealer MiFID II, EMIR
Vermögensverwalter und Fondsmanager (OGAW, AIFMD) OGAW V, AIFMD, EMIR
Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds






    Solvency II, EMIR

Börsennotierte Unternehmen


    MMVO, MiFID II (Transaktionsmeldung)

Nichtfinanzielle Unternehmen im OTC-Derivatehandel


    EMIR
IKT-Drittdienstleister (Fintech, Cloud, Software)


    DORA
Euronext Direct vergibt LEIs an Unternehmen in über 90 vom Regulatory Oversight Committee anerkannten Rechtsordnungen. Anträge aus jedem Land können über das Online-Portal von Euronext Direct eingereicht werden.

Warum Euronext Direct als LEI-Anbieter?

Euronext Direct ist die LEI-Vergabeplattform von Euronext Dublin. Euronext Dublin ist Teil der Euronext-Gruppe und eine von GLEIF akkreditierte Local Operating Unit. Mit Euronext Direct erhalten Unternehmen Zugang zu einem digitalen LEI-Service, der auf regulatorischer Expertise und einem etablierten Finanzmarktumfeld aufbaut.

  • GLEIF-akkreditiert: Euronext Dublin ist von GLEIF akkreditiert. Über Euronext Direct vergebene LEIs können in den entsprechenden regulatorischen Rahmenwerken verwendet werden.
  • Mehr als 90 Jurisdiktionen: Euronext Direct vergibt LEIs an Rechtsträger, die in einer der mehr als 90 vom ROC anerkannten Jurisdiktionen gegründet wurden.
  • Transparente, wettbewerbsfähige Preise: Pauschalpreise ohne versteckte Gebühren sowie 33 % Mengenrabatt bei Sammelregistrierungen ab 10 LEIs.
  • Kostenlose LEI-Übertragungen: Übertragen Sie Ihren bestehenden LEI von jeder anderen LOU kostenlos zu Euronext Direct. Der LEI-Code bleibt dabei unverändert und der aktive Status erhalten.
  • Fachkundiger Support: Ein spezialisiertes LEI-Support-Team unter leiqueries@euronext.com unterstützt Sie während des gesamten Antrags-, Erneuerungs- und Aktualisierungsprozesses.



Beantragen Sie Ihren LEI über Euronext Direct

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Weiterführende Literatur

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die LEI-Registrierung bei Euronext Direct?

Die meisten über Euronext Direct eingereichten Anträge werden innerhalb eines Werktags bearbeitet. Bei Rechtsträgern, deren Registrierungsdaten problemlos verifiziert werden können, kann die Vergabe auch innerhalb weniger Stunden erfolgen.

Ändert sich mein LEI bei einer Übertragung zu einer neuen LOU?

Nein. Bei einer Übertragung zwischen LOUs bleibt der LEI-Code unverändert. Lediglich die für die Verwaltung zuständige LOU wechselt. Die LEI-Daten, der Status und die Historie des Rechtsträgers bleiben während des Übertragungsprozesses erhalten.

Was ist der Unterschied zwischen einem LEI und einer Handelsregisternummer?

Eine Handelsregisternummer wird von einem nationalen Handelsregister vergeben und ist grundsätzlich innerhalb des jeweiligen Landes eindeutig. Ein LEI ist dagegen weltweit eindeutig: Jeder Rechtsträger erhält einen eigenen LEI. Darüber hinaus kann der LEI Informationen zu Muttergesellschaftsbeziehungen enthalten und damit Zusammenhänge abbilden, die aus einer Handelsregisternummer allein nicht ersichtlich sind.

Kann eine natürliche Person einen LEI erhalten?

Nein. LEIs werden an Rechtsträger vergeben, darunter Unternehmen, Personengesellschaften, Treuhandgesellschaften, Fonds, staatliche Stellen und andere organisierte Einheiten, die nach dem Recht ihrer jeweiligen Jurisdiktion als Rechtsträger anerkannt sind.

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